Multicolor-AMS-Druck kalibrieren: Anfänger- vs. Profi-Workflow

· von Priya Nair · 4 Min. Lesezeit

Multicolor-AMS-Druck kalibrieren: Anfänger- vs. Profi-Workflow

Color Bleed beim AMS-Druck vermeiden: Zwei Wege zu sauberen Farbübergängen

Wer mit einem AMS (Automatic Material System) mehrfarbige Modelle druckt, kennt das Problem: An den Übergängen zwischen den Farben entstehen unschöne Schlieren, Verfärbungen oder regelrechte Farbverläufe, wo eigentlich eine klare Kante sein sollte. Manchmal reicht schon ein einziger Übergang von Schwarz auf Weiß, um ein sonst perfektes Modell zu ruinieren. Dieser sogenannte Color Bleed lässt sich mit der richtigen Kalibrierung aber fast vollständig vermeiden. Im Folgenden zwei Workflows, einen einfachen für den schnellen Einstieg und einen präziseren für alle, die regelmäßig mehrfarbig drucken und dabei Material sparen wollen.

Warum entsteht Color Bleed überhaupt?

Ganz einfach: Beim Filamentwechsel bleiben im Nozzle immer Reste der vorherigen Farbe zurück. Diese Rückstände vermischen sich mit dem neuen Filament und landen als leicht verfärbter Kunststoff auf dem Modell, meist sichtbar am sogenannten “Purge Tower”, manchmal aber auch direkt am Bauteil, wenn zu wenig gespült wurde.

Die wichtigsten Einflussfaktoren:

Anfänger-Workflow: Schnell zu brauchbaren Ergebnissen

Für den Einstieg reicht es völlig, mit den Standardwerten deines Slicers zu arbeiten (Bambu Studio, OrcaSlicer und Co.) und sie einfach ein Stück nach oben zu drehen.

  1. Standard-Purge-Multiplikator um 20-30 % erhöhen, zu finden in den Filament-Einstellungen unter “Flush Multiplier” oder “Spülmenge”.
  2. Ein Testmuster drucken, etwa den bekannten “Calibration Tower” oder ein simples Streifenmuster mit vier Farbwechseln. Zehn Minuten Druckzeit, die sich lohnen.
  3. Übergänge visuell prüfen. Sind noch Verfärbungen zu sehen? Dann den Purge-Wert nochmal etwas anheben.
  4. Farbreihenfolge anpassen: Helle Farben wie Weiß oder Gelb möglichst zuletzt drucken, denn sie zeigen Rückstände am deutlichsten.
  5. Purge Tower aktiviert lassen, auch wenn dabei Material draufgeht. Er bleibt die einfachste Versicherung gegen Bleed direkt am Modell.

Dieser Workflow braucht kaum Vorwissen und ist in fünf Minuten eingerichtet. Der Preis dafür: mehr Filamentverbrauch, weil pauschal mit großzügigen Spülmengen gearbeitet wird statt gezielt dort, wo es nötig ist.

Profi-Workflow: Präzise Kalibrierung pro Filamentpaar

Wer öfter mehrfarbig druckt, merkt schnell: Pauschale Werte kosten auf Dauer unnötig viel Material und Zeit. Fortgeschrittene ermitteln deshalb für jede Filamentkombination einen eigenen, passgenauen Wert.

Schritt 1: Flush-Volumen-Matrix erstellen

Statt eines globalen Multiplikators legst du für jede Farbkombination, etwa Schwarz zu Weiß oder Rot zu Blau, einen individuellen Wert fest. In OrcaSlicer läuft das über die Flush-Volume-Matrix im Multi-Material-Menü. Faustregel: Übergänge von dunkel zu hell brauchen oft 30-50 % mehr Spülung als umgekehrt.

Schritt 2: Kalibrierungsdruck mit allen Kombinationen

Drucke ein Testobjekt, das jede Farbkombination mindestens einmal abdeckt. In der Community kursieren dafür fertige STL-Vorlagen, man muss also nicht bei null anfangen. So siehst du auf einen Blick, welche Paarungen noch Bleed zeigen und welche schon sauber sind.

Schritt 3: Feinjustierung der Temperatur

Schritt 4: Retraction und Wischbewegung optimieren

Aktiviere die Wischfunktion des Prime Tower und erhöhe die Wischgeschwindigkeit ein wenig, damit Farbreste besser vom Nozzle abgestreift werden. Auch die Position des Purge Towers auf der Druckplatte spielt eine Rolle für die Kühlung der Übergänge. Steht er zu nah am Modell, kann es zu Wärmestau kommen, was den Effekt eher verschlimmert.

Schritt 5: Werte dokumentieren und wiederverwenden

Speichere die kalibrierte Flush-Matrix als eigenes Profil ab. Bei künftigen Projekten mit denselben Filamenten musst du dann nicht bei null anfangen, sondern lädst einfach das Profil. Gegenüber dem Anfänger-Workflow ein deutlicher Zeitgewinn, besonders wenn man dieselben Farbkombinationen immer wieder verwendet.

Häufige Fehler vermeiden

Fazit

Wer nur gelegentlich mehrfarbig druckt, kommt mit dem Anfänger-Workflow und pauschal erhöhten Purge-Werten schnell zu sauberen Ergebnissen, ohne sich groß mit Details zu beschäftigen. Wer regelmäßig mit dem AMS arbeitet und dabei Material sowie Druckzeit sparen will, profitiert dagegen klar von einer individuellen Flush-Volumen-Matrix samt dokumentierten Profilen pro Filamentkombination. In beiden Fällen gilt dasselbe Prinzip: Ein kurzer Testdruck vor dem eigentlichen Projekt erspart Frust und unnötigen Materialverbrauch, und macht am Ende aus einem verwaschenen Farbübergang ein sauberes, professionell wirkendes Ergebnis.

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